Herr Jakob zum Thema Gelassenheit

„Herr Jakob, Herr Jakob!“
„…“
„Herr Jaaaaaaaaakooooooob…!“
„Bitte…?“
„Herr Jakob, noch schnell eine Frage…“
„Schnell?“
„Ja, ich hab’s eilig!“
„Ach.“
„Ja doch!“
„Entschuldigen Sie, aber hetzen lasse ich mich nicht.“
„Aber bitte, ich habe nicht viel Zeit, ich müsste gleich auch noch…“
„Sie müssen, Sie müssen – ich sage Ihnen jetzt mal: Sie müssen überhaupt nichts.“
„Aber…“
„Reba.“
„Was?“
„Reba. Das ist ‚aber‘ andersherum. Sie könnten auch ‚raeb‘ sagen, die Buchstaben mal anders zusammenfügen. Was meinen Sie? Was gefällt Ihnen besser?“
„…“
„Ach kommen Sie, jetzt seien Sie nicht beleidigt. ‚Baer‘ geht übrigens auch. Wie finden Sie ‚baer‘?“
„Veralbern lasse ich mich auch nicht.“
„Ich bitte Sie. Sie haben das Gespräch gesucht. Setzen Sie sich doch erst einmal. Und dann trinken wir in Ruhe einen Tee. Nehmen Sie auch Pfefferminz?“
„Ja bitte.“
„Sehen Sie, ich habe mich vor einiger Zeit dazu entschlossen, Hektik gegen Gelassenheit einzutauschen.“
„Ach. – Und das geht so einfach?“
„Nein. Ehrlich gesagt, einfach ist das nicht. Eher das Ergebnis eines längeren Prozesses. Und es ging mir dabei gar nicht darum, dass Hektik ungesund ist oder dass ich vor lauter Hektik schon viel vergessen habe oder Fehler machte. Darum ging es mir gerade nicht.“
„Nein?“
„Nein, es ging um etwas anderes, viel Tiefgreifenderes. Ich glaube nämlich, dass Hektik vor allem aus Angst ensteht.“
„Angst?“
„Ja, Angst. Sie fürchten sich davor, nicht zu genügen, Erwartungen nicht zu erfüllen, nicht das zu bekommen, was Sie brauchen, und zwar am besten jetzt gleich. Und was das dann für Ihr Leben bedeutet, wenn Ihnen das nicht gelingt. Vielleicht müssen Sie dann ja sterben.“
„Sterben?“
„Ja. Womöglich ist es die Angst vor dem Sterben, die Sie so durchs Leben hetzen lässt. Die ihnen keine Ruhe gönnt. Da können Sie nicht einfach so dasitzen und Tee trinken und sich einfach freuen, dass Sie atmen und leben. Nein, da müssen Sie stattdessen ständig etwas erledigen, ständig etwas bewegen oder in irgendeiner Weise weiterkommen. Und das möglichst schnell. Weil Sie tief in sich diese letzte große Angst haben.“
„Und diese Angst haben Sie überwunden?“
„Das möchte ich nicht behaupten. Nur habe ich ihr einen anderen Platz geben können. Vielleicht hat auch jemand anderes das für mich getan, ich weiß es nicht genau. Ich spüre nur: Diese Angst darf sich auch einmal Ruhe gönnen und eine Tasse Tee trinken, sie muss mich nicht ständig antreiben, so von ganz innen. Denn da ist noch etwas anderes.“
„Etwas anderes?“
„Ja. Da ist eine Hoffnung, dass das Sterben nicht das Letzte ist im Leben. Diese Hoffnung sitzt neben der Angst und trinkt mit ihr Tee – doch ihr Tee ist stärker und belebender. Die Hoffnung bleibt wach, da kann die Angst ruhig ein wenig einschlummern.“

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