Herr Jakob zum Thema Sterben

“Herr Jakob …”

“Herr Jakob?”

“Herr Jakob … ?”
“Ja? Ja, bitte?”
“Ach, Sie sind noch da!”
“Ja, natürlich! ”
“Ach, Herr Jakob, Herr Jakob …”
“Sagen Sie mal, Sie sind ja ganz blass … geht es Ihnen gut?”
“Ja! Ja! Ich freue mich so, dass Sie noch da sind!”
“Aber wo sollte ich denn sonst sein?”
“Also für einen Moment habe ich gedacht, ähm, … es ist ja schon länger her, dass wir uns unterhalten haben. Und als Sie jetzt so lange nicht geantwortet haben, da habe ich plötzlich einen furchtbaren Schreck bekommen, Ihnen könnte etwas passiert sein!”
“Ja was sollte mir denn passiert sein?”
“Na, da war dieser Sturm, dann gibt es ständig irgendwelche schrecklichen Unfälle und furchtbare Krankheiten, an denen man schnell … sterben kann.”
“Sterben. Ja, sterben werden wir alle irgendwann.”
“Das sagen Sie so ruhig. Macht Ihnen das denn keine Angst? Sind Sie damit etwa einverstanden?”
“Ob ich damit einverstanden bin, dass ich sterben werde?”
“Sind Sie es denn?”
“Also ehrlich gesagt, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Ist das wichtig? Es ist doch eine Tatsache, dass jeder Mensch irgendwann stirbt. Die einen früher, die anderen später. Und wenn ich damit nicht einverstanden wäre, dass ich selbst auch sterben muss, was würde das ändern?”
“Aber wie kann denn ein Mensch mit seinem eigenen Ende einverstanden sein!”
“Das ist interessant. So habe ich das noch nie betrachtet. Dass ich damit einfach nicht einverstanden sein könnte.”
“Na eben! Da muss man sich doch gegen wehren, wenigstens innerlich. Meinen Sie nicht?”
“Mhm. Also, ehrlich gesagt, ich spüre da keine Regung.”
“Keine Regung?”
“Nein, keine Regung, mich gegen das eigene Sterbenmüssen zu wehren. Das scheint mir anstrengend zu sein, sich gegen etwas zu wehren, dass unumstößlich feststeht und irgendwann kommt. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke und mir vorstelle, es wäre so weit … ”
“Ja …?”
“Da spüre ich etwas anderes …”
“Etwas anderes … ?”
“Ja, ich glaube, ich möchte dann gelassen sein. Keine Schmerzen haben müssen, die mich ablenken und ständig beschäftigen. Vielleicht liege ich irgendwo in einem Bett und lasse einfach alles ganz langsam los. Bis ich das Gefühl habe, so leicht zu sein, dass ich schweben kann. Und dabei möchte ich neugierig bleiben und voll froher Erwartung auf das, was dann kommt.”
“Was dann kommt …?”
“Ja. Wissen Sie, eine Freundin von mir hat verfügt, dass ein Löffel auf ihrem Sarg liegen soll bei der Trauerfeier. Ein Löffel für das Dessert, das noch kommt. Und das von allem das Beste ist.”