Herr Jakob zum Thema Wettbewerb

“Herr Jakob?”
“…”
“Herr Jaaaaakob…!”
“…”
“Herr Jakob! Wenn Sie sich nicht melden, dann suche ich mir einen anderen Gesprächspartner! Dann können Sie sehen, wo Sie bleiben! Auch Sie stehen schließlich im internationalen Wettbewerb!”
“…………….”
“Arghhhh. H e r r J A K O B !”
“J a a a a a a a?”
“Ah, endlich! Sie lassen sich aber Zeit! So geht das auch nicht.”
“Ach nein?”
“Nein! Das geht so überhaupt nicht! Ich erwarte von Ihnen mehr Leistungswillen, Konkurrenzbereitschaft und überhaupt.”
“Ich nehm’ ‘überhaupt'”.
“…”
“Aber bitte bitte. Vielleicht nehm’ ich auch ein bisschen Willensleistung, Bereitschaftskonkurrenz und … ach ja, Sahne obendrauf.”
“Herr Jakob, das ist nicht lustig. Wir stehen im harten Wettbewerb mit allem und jedem und Sie machen sich lustig.”
“Blöng.”
“Sie kann man doch gar nicht mehr ernst nehmen! Sie können sich ja nicht einmal selbst verkaufen! Wie wollen Sie so heute überleben? Selbstmarketing, das ist heute alles, sage ich Ihnen. Sonst überleben Sie in keinem Wettbewerb. Geschweige denn, dass Sie einen gewinnen!”
“Ach.”
“Ihnen ist das vielleicht egal. Mir aber nicht!”
“Nein? Ihnen ist das nicht egal? Sie wollen Wettbewerbe gewinnen?”
“Natürlich! Es geht um Geld, viel Geld, um Einfluss, um Macht, darum, im Rampenlicht zu stehen und wahrgenommen zu werden. Erster sein! Darum geht es doch von Anfang an. Wenn Sie ganz am Anfang nicht erster sind, dann kommen Sie schon gar nicht auf die Welt. Das wissen Sie so gut wie ich.”
“Ganz am Anfang erster sein, nun gut, da gebe ich Ihnen recht. Das war hilfreich. Aber danach? Ich weiß nicht. Ich finde es entspannter, nicht immer der Erste sein zu wollen. Ich persönlich fühle mich auch in keinem Wettbewerb. Ich atme, ich lebe, ab und zu blicke ich in den Himmel und gelegentlich trinke ich ein Glas Rotwein. Dafür brauche ich nun wirklich keinen Wettbewerb. Nur viel Ruhe. Dann ist es mir auch egal, ob jemand anderes länger und intensiver in den Himmel blickt, besseren Rotwein trinkt oder effektiver atmet und dadurch länger lebt. Und wissen Sie was? Am Ende hat sowieso jeder seine Ruhe, Wettbewerb hin oder her.”